2016 June 10

Hoch lebe die Langeweile

Neulich zu Hause: Mein großartiges Mädchen sitzt im Wohnzimmer und fragt: „Papa, was soll ich nur spielen? Ich habe keine Idee.“ Darauf ich: „Spiel doch mit deinen Barbies.“ Sie: „Ach nein.“ Ich: „Dann mal doch ein schönes Bild.“ Sie wieder: „Nein, mag nicht.“ Und kurze Zeit später ein Seufzen: „Mir ist so langweilig.“ Gerade will ich meine Zeitung aus der Hand legen und mit ihr gemeinsam überlegen, was möglicherweise Spaß machen oder wenigstens nicht so langweilig sein könnte, da schießt mir der folgende Gedanke in den Kopf: Wann nur habe ich mich zum letzten Mal gelangweilt…

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© Robert Kneschke / Fotolia

2016 June 10
2018-09-30T20:53:52+0200 Marc Galal GmbHMarc Galal

Langeweile (5 Tipps gegen die Langeweile und für den Erfolg). Für mich ist es nur ein Wort. Ich komme gar nicht dazu, sie zu empfinden, denn ich habe eigentlich immer etwas zu tun. Und wenn ich mir ganz gezielt eine kleine Auszeit gönne, dann genieße ich das Nichtstun. Langeweile? Kenne ich nicht. Doch vielleicht ist Langeweile wichtig auch für den eigenen Erfolg? Nicht nur für Kinderköpfe, die frustriert feststellen, dass sie schon mit allen Sachen mehrfach gespielt haben, dass sie heute gar keinen Freund zum Spielen da haben, dass sie überhaupt auch gar keine Idee haben, womit sie sich beschäftigen wollen. Ja, in genau diesen Momenten tut sich die gähnende Langeweile auf wie ein alles verzehrendes schwarzes Loch, das immer größer wird. Und in genau diesen Momenten kommen Kindern immer die besten Ideen.

Idee 1: Alle Kuscheltiere mit Thymian-Balsam eincremen (sie haben so Husten)

Idee 2: Das neu gelegte Parkett mit Babyöl eincremen (das haben die Handwerker doch auch gemacht)

Idee 3: Das Geschwisterkind im Kinderzimmer anbinden (das alte Indianer-Spiel)

Nun ja, zweifellos rauft man sich als Eltern in diesen Fällen die Haare, doch das Gehirn des Sprösslings funktioniert und man kann tatsächlich, mit ein wenig Mühe und nachdem der erste Ärger verflogen ist, den Gedankengang nachvollziehen. Ist Langeweile also das Beste, was Kindern in ihrer Entwicklung passieren kann, weil es sozusagen ein Motor für ihre Kreativität ist und sich ganz neue Windungen im Gehirn bilden und ausprägen? Sollten wir aufhören, unsere Kinder zu beschäftigen und damit anfangen, die langweiligste Gesellschaft für sie zu werden, damit sie sich selbst etwas Spektakuläres einfallen lassen können?

Und was bedeutet es für mich? Ist bei mir schon alles verloren, weil ich Langeweile seit Jahren nicht mehr empfunden habe? Müsste ich mich mal wieder richtig langweilen und würde dann die tollsten Sachen erfinden, die fantastischsten Ideen entwickeln oder eine These, die zum sofortigen Weltfrieden führt? All das scheint möglich, aber ich werde gerade wieder müde. Vielleicht langweile ich mich später noch ein bisschen…

Das Kind eines Freundes hat übrigens am ersten Weihnachtsfeiertag mit dem neu geschenkten Lötkolben seine Lieblingsmannschaft in der Schrankwand der Eltern verewigt: 1. FC Köln. Da war vermutlich auch noch ein bisschen kreative Energie übrig…

In der nächsten Woche geht es hier um unser Gehirn und darum, wie Sie direkt durchstarten!

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