2019 December 02

NLP:3 Arten von Modellierung in sprachlichen Prozessen

In einem Gespräch geben Wörter notwendigerweise nur einen Teil der eigenen Gedanken und inneren Vorgänge weiter. Da Menschen unterschiedlich ticken und handeln kann es so zu Unklarheiten in der verbalen Kommunikation kommen. Das NLP unterschiedet drei Arten von Modellierung bzw. Modellbildung, die in unserer Sprache vorkommen. Sie vereinfachen die sprachliche Repräsentation geistiger Vorgänge. Gleichzeitig bietet das NLP Werkzeuge, um diese Vereinfachungen wieder aufzulösen und dem inneren Bild des Sprechers näherzukommen.

 

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2019 December 02
2019-12-05T15:06:14+0100 Marc Galal GmbHMarc Galal

Die drei Arten von Modellierung sind:

1.    Generalisierung 
2.    Verzerrung 
3.    Tilgung 


Als Beispiel dient ein einfaches, alltägliches Gespräch: Du beschreibst einem Bekannten, was Du gestern gemacht hast; dies findet – ganz klar – in einer deutlich kürzeren Form statt, als es sich eigentlich zugetragen hat. Du bringst Deine Gedanken also in eine sprachliche Form, damit Dein Gegenüber versteht, was passiert ist. Dein Gesprächspartner wiederum übersetzt das Gesagte in seine eigenen Gedanken und hat keine andere Möglichkeit, als die vorliegenden Informationen zu interpretieren. Schließlich war er oder sie nicht dabei. Wir bedienen uns der verschiedenen Modellierungen und die Inhalte werden gezwungenermaßen unpräzise. 

1. Was bedeutet „Generalisierung“?

Jeder Mensch verallgemeinert gerne seine Erfahrungen und Sichtweisen, wenn er eine Meinung abgibt. Sie wirken damit universeller und die eigene Erfahrung strahlte mehr Autorität aus. Generalisierung bedeutet, dass wir eine einzelne Erfahrung oder einige wenige Erfahrungen zu einem allgemeingültigen Urteil erheben. Diese Verallgemeinerungen geschehen vollkommen unbewusst. 

Dabei kannst Du Dich noch so anstrengen, wir alle generalisieren, darauf sind wir Menschen einfach programmiert. Würden wir immer alles neu erlernen müssen, ohne uns durch Generalisierung sicher zu sein, dass uns etwas gefällt, nicht gefällt, gut tut oder schlecht für uns ist, würden wir mit nichts anderem mehr beschäftigt sein und irgendwann den Überblick verlieren. Die Generalisierung kann sich als sehr nützlich erweisen und uns vor schlimmen Fehlern bewahren, jedoch genauso kann es auch beeinträchtigend für uns sein, wie Du anhand der unten aufgelisteten Beispiele sehen wirst.

Beispiele zum Thema: Generalisierung

a)Nehmen wir mal an, Du gehst in eine Eisdiele und willst eine neue Sorte probieren. Fazit: Angeekelt von der Sorte „Balsamico-Honig“ generalisierst Du von nun an, dass diese spezielle Eis Sorte einfach ungenießbar ist und wirst zukünftig diese Sorte meiden. Dabei kann es sein, dass der Eismann einfach einen schlechten Tag hatte und das Eis deswegen nicht genießbar war. Dennoch hütest Du Dich ab sofort davor, obwohl es an einem anderen Tag, in einer anderen Eisdiele, besser schmecken könnte.

b) Ein weiteres Beispiel, damit Du einen ersten Eindruck über die Wirkungskraft der Generalisierung bekommst, ist folgendes: Als kleines Kind streichelst Du eine süße flauschige Katze, doch diese kratzt Dich. Du generalisierst, dass Katzen kratzen, wenn man sie streicheln will. Diese Erkenntnis brennt sich bei Dir ein und Du wirst von nun an eine ungeheure Angst vor diesen Tieren haben, obwohl Du selbst weißt, dass nicht alle Katzen kratzen. Letztlich hast Du von einem Einzelfall geschlossen und so generalisiert.

c) Stelle Dir nur einmal vor, dass Deine erste Beziehung eine absolute Katastrophe war. Ab dem Punkt generalisierst Du, dass Beziehungen und die damit verbundene Liebe, Nähe und Zuneigung verletzend sind und Dir nicht gut tun. Und all dies nur wegen einer (!) Beziehung und Deinem Glauben, dass auch zukünftige Beziehungen komplett schlecht ausgehen werden. Wenn eine Generalisierung derartig stark ist, dass Du fest daran glaubst, entsteht im NLP so negative Glaubenssätze.

2. Was ist eine „Tilgung“?

Jeder Mensch hat eine eigene Wahrnehmung, in der wir Informationen tilgen und löschen und uns damit vor einem Informationsüberfluss schützen. Wie schnell geht Dein Puls, wie ist Deine Atmung, die Temperatur des Raumes und der Inhalt dieses Blogbeitrages. Und das sind nur die unmittelbaren Dinge, die Dich direkt betreffen. Hinzu kommen noch die Menschen, die sich gerade um Dich herum befinden oder das Ticken der Uhr, alle Nebengeräusche usw. Es wäre zu viel für jeden Menschen auf all diese Sachen gleichzeitig zu achten. Deswegen tilgen wir Informationen und filtern so das Wichtigste heraus. Wir filtern das raus, was uns interessiert und unsere Aufmerksamkeit erregt.

Beispiele zum Thema Tilgung:

a) Stell Dir nur einmal vor, dass Du alle Dinge, die gerade um Dich herum geschehen, wahrnehmen würdest. Würden Dich alle Reize aus Deiner Umgebung ständig "anfallen" und du müsstest sie immer ungefiltert aufnehmen, würde Dein Gehirn regelrecht vor Überanstrengung „kochen“. Deshalb fokussierst Du Dich auf das Wesentliche.

b) Genauso ist es beim ersten Kuss. Du weißt noch wie sich der Kuss angefühlt hat, wie die Berührung war, das Gefühl und wo es stattfand, aber vielleicht hast Du bereits vergessen, wie Dein Partner oder Deine Partnerin damals gekleidet war. Oftmals wird es mit Unaufmerksamkeit verwechselt, dass wir solche Dinge nicht mehr wissen. 

3. Wie ist die „Verzerrung“ zu verstehen?

Auch wenn wir erzählen, wird unsere Sprache und unsere Wiedergabe durch unsere Fantasie und Kreativität beeinflusst. Unbewusst nehmen wir das Geschehene und verformen es, wodurch eine verzerrte Version der Realität entsteht. Dementsprechend werden viele Erfahrungen und interne Repräsentationen bereits durch unsere Wahrnehmung zu einem Zerrbild der Realität gemacht. 

Beispiele zum Thema Verzerrung:

a) Der beste Beweis dafür findet sich in der Literatur, der Musik, den Künsten allgemein, aber auch in den Wissenschaften, der Philosophie und in Deinem eigenen Kopfkino. Schaue Dir doch einmal nur Gemälde oder auch Fotografien auf Plattform wie Instagram an. Sie zeigen einerseits eine Art der Realität, sie sind andererseits durch die Handlung eines Menschen gekonnt in Szene gesetzt.

b) Dasselbe passiert, wenn Du auf Deine Erinnerungen zurückgreifst oder – im extremen Fall – wenn Deine Wahrnehmung gestört ist. So kann es passieren, dass Du in harmlosen Dingen plötzlich eine vermeintliche Gefahr erkennst. Oder auch andersherum. Eine Frau oder ein Mann behandelt Dich nett und in Dir entsteht das Bild, dass derjenige eine romantische Beziehung mit Dir eingehen will und alles deutet auf einmal darauf hin, obwohl es nicht so ist. Allein Deine Wahrnehmung hat das Bild der Wirklichkeit verzerrt. 

Verzerrung bedeutet einerseits, dass wir viel mehr aus der Realität ziehen können, als man objektiv sieht, andererseits kann dies auch zu einem Verhängnis werden.

Diese 3 Modellierungsarten nutzen wir also unbewusst, um die Wirklichkeit und unsere inneren Vorgänge sprachlich zu erfassen. Achte einmal selbst darauf, wann welche Modellierung von Dir genutzt wird. Du wirst erstaunliche Entdeckungen machen! Das NLP bietet verschiedene Fragetechniken – das sogenannte Meta-Modell – um diesen Unklarheiten auf die Schliche zu kommen. Diese stelle ich Dir in einem anderen Blogbeitrag vor. 

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