Keine Frage, Perfektion ist toll. Theoretisch, denn genau so ist sie zu betrachten. Perfektion bedeutet, dass alles zu 100 Prozent gelungen ist. Es könnte nicht besser sein. Doch was ist der Preis für Perfektion?

Eine Frage der Zeit

Wer wirkliche, echte Perfektion erreichen will, der braucht einen eisernen Willen und einen langen Atem. Und er muss bereit sein, viele Frustmomente auszuhalten. Denn eines ist sicher: Der Weg zur Perfektion ist gepflastert mit Frustration. Warum? Weil Perfektion eine Momentaufnahme ist. Und weil der Weg zu einem perfekten Ergebnis immens viel Kraft und Mühe kostet und die Vollkommenheit des Ergebnisses von der Mehrzahl der Menschen nicht einmal wahrgenommen wird. Also warum die Mühe? Ist es nicht viel sinnvoller, das bestmögliche Ergebnis in der kürzesten Zeit zu erreichen und dann am laufenden Projekt weitere Optimierungen vorzunehmen?

Ins Tun kommen ist besser, als nach Perfektion zu streben


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Perfektion ist nur eine Idee

Das berühmte Paretoprinzip besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden. Es besagt weiterhin, dass die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse mit 80 Prozent die meiste Arbeit machen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht nicht darum, zu schludern. Vielmehr sehne ich mich nach mehr Pragmatismus, denn während viele Menschen an den letzten 20 Prozent feilen und ein perfektes Ergebnis abliefern wollen, ist die Konkurrenz schneller und schließt möglicherweise mit einem zu 80 Prozent fertigen und noch nicht optimalen Produkt eine vorhandene Marktlücke. Dann nützt einem die Perfektion hinterher auch nichts mehr, denn wer Zweiter ist, der ist häufig auch der erste Verlierer.

Perfektion ist eine Sache des Egos

Wer ehrgeizig ist, der erwartet von sich selbst absolute Perfektion. Alles darunter ist seiner nicht würdig. 120 Prozent ist das neue Mittelmaß und nur etwas für den Durchschnitt. Das ist jedoch weder sinnvoll, noch effektiv. Viele gute Ideen verpuffen, weil sie nur „gut“ und nicht bahnbrechend sind. Doch vielleicht braucht der Markt, die Kunden oder die Branche gerade ein gutes Produkt, etwas Solides und nichts Abgehobenes, was nicht funktionell ist. Vielleicht müssen wir einmal einen Gang zurückschalten und uns vergegenwärtigen, dass Perfektion ein Zeit- und Ressourcenfresser ist und dass wir lieber mehrere kleine Projekte solide auf den Weg bringen, als viel Zeit in ein großes Projekt zu stecken, an der Perfektion zu feilen und schließlich festzustellen, dass es nicht funktioniert. Denken Sie einmal darüber nach, wie schnelllebig unsere Zeit ist und ob Perfektion wirklich die neue Nulllinie sein sollte. Ich glaube nicht…

In der nächsten Woche geht es hier übrigens um ein Lied, das ich letztens im Radio hörte. Es beginnt mit den Worten: „Ey, da müsste Musik sein, überall wo du bist. Denn wenn es am Schönsten ist, spiel es wieder und wieder… Nur so viel: Es hat mich zum Nachdenken gebracht.

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