Gibt es einen Unterschied zwischen einem Burn-Out und einer Depression? Oft gleichen die Symptome sich, doch die Krankheiten werden vollkommen anders wahrgenommen. Während man das Wort „Depression“ häufig nur halblaut und hinter der vorgehaltenen Hand artikuliert, ist die Bezeichnung „Burn-Out“ inzwischen salonfähig geworden. Warum?

Fragwürdige Tapferkeitsmedaillen

Nur wer brennt, kann auch ausbrennen. Wenn ein Geschäftsführer, Unternehmer oder erfolgreicher Manager also aufgrund eines Burn-Outs mehrere Wochen oder sogar Monate fehlt, dann hat er sich das quasi verdient. Er kümmert sich jetzt einmal um sich, denn er hat vorher ja auch eine erstklassige Leistung gebracht. Er hat gebrannt, das Unternehmen voran gebracht, er hat alles gegeben. Jetzt hat er keine Kraft mehr und damit das Recht auf eine Auszeit. Auch wenn es vollkommen paradox klingt: Einem solchen Erfolgsmenschen mit Burn-Out zollen wir unsere Anerkennung. Wir bewundern ihn, während der an Depression erkrankte Mitmensch lediglich unser Mitleid bekommt.

Selbstzweifel und Antrieb

Um aus diesem ungesunden Kreislauf auszubrechen, sollten wir unsere Definition von Erfolg grundlegend überdenken. Wenn wir Menschen mit Burn-Out bewundern, dann richten wir unseren inneren Fokus darauf aus und entwickeln uns ebenfalls in diese Richtung. Ist das der Weg, den Sie tatsächlich einschlagen wollen? Ich hoffe nicht, deswegen müssen wir die Motivation, die Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und den Antrieb überprüfen. Viele Menschen sagen, dass Selbstzweifel produktivitätsfördernd seien. Das klingt auch einleuchtend, denn wenn man denkt, dass die eigenen Leistungen nicht gut genug sind, dann strebt man stets nach der absoluten Perfektion. Diese gibt es jedoch nicht. Man strebt also nach etwas, das unerreichbar ist. Ich gebe Ihnen deshalb einen wirklich wichtigen Rat: Entspannen Sie sich. Wenn es keine absolute Perfektion gibt, warum dann dieser übertriebene Ehrgeiz?

Ausruhen statt ausbrennen

© Patrizia Tilly / Fotolia

Denken Sie an Vilfredo Pareto

Vilfredo Pareto ist der Erfinder des nach ihm benannten Pareto-Effekts, der 80-zu-20-Regel. Diese besagt, dass wir 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwands erreichen. Die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse machen mit 80 Prozent die meiste Arbeit. Mit diesem Wissen fällt es doch gleich viel leichter, den Perfektionsgedanken los zu lassen, oder? Wem es gelingt, dieses Prinzip zu verinnerlichen, der arbeitet nicht nur effektiver, sondern zugleich entspannter. Und das wiederum ist unglaublich wichtig, wenn Sie für sich ein anderes Ziel als einen Burn-Out gewählt haben.

In der nächsten Woche geht es hier übrigens um ein Thema, das mit persönlich sehr am Herzen liegt. Es geht um die Kunst der richtigen und nachhaltigen Entspannung.

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